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Der Han­dels­span­nen­aus­gleich

Der Han­dels­span­nen­aus­gleich
6. Juni 2018 Norbert Selle

Ein ganz beson­ders ärger­li­ches The­ma für Sie als Apo­the­ker ist der Han­delspan­nen­aus­gleich. Beim Han­dels­span­nen­aus­gleich legt der Groß­händ­ler eine Mar­ge fest, die er pro Packung ver­die­nen möch­te, zum Bei­spiel 6,33 Pro­zent. Ist es auf­grund der Dif­fe­renz zwi­schen dem Ein­kaufs- und dem Ver­kaufs­preis nicht mög­lich die­se Mar­ge auf­recht­zu­hal­ten, zieht der Groß­händ­ler Ihnen einen Malus ab – um so wie­der auf sei­ne (selbst fest­ge­leg­te) Mar­ge zu kom­men. Dies wird in der Pra­xis Kon­di­ti­ons­si­che­rungs­aus­gleich, Bestell­struk­tur­aus­gleich, Packungs­wert­aus­gleich, TAX- Span­nen­aus­gleich usw. genannt.

Da der Ver­kaufs­preis von Medi­ka­men­ten fest­ge­legt ist, schmilzt die Mar­ge des Groß­händ­lers, wenn der Ein­kaufs­preis eine bestimm­te Gren­ze über­steigt. Der ange­streb­te durch­schnitt­li­che Packungs­preis, der aus Sicht der Groß­händ­ler ein­ge­hal­ten wer­den soll­te, liegt bei 20,71 Euro. Bei die­sem Preis erzielt der Groß­han­del sei­ne (Wunsch-)Marge von 6,33 Pro­zent. 

In der Rea­li­tät liegt der durch­schnitt­li­che Packungs­preis jedoch bei 24,50 Euro. Bei die­sem Ein­kaufs­preis wür­den die Groß­händ­ler nur noch eine Mar­ge von 5,82 Pro­zent errei­chen. Das wol­len sie jedoch nicht hin­neh­men – und kür­zen ent­spre­chend die Rabat­te für den Apo­the­ker, um die­se Dif­fe­renz wie­der für sich aus­zu­glei­chen. Der Apo­the­ker muss also stei­gen­de Ein­kaufs­prei­se und die damit ein­her­ge­hen­de gerin­ge­re Han­dels­span­ne des Groß­händ­lers durch die­sen Malus aus­glei­chen. 

Zudem ver­lan­gen die Groß­händ­ler, pro ver­schrei­bungs­pflich­ti­ger Medi­ka­men­ten­pa­ckung eine Hand­lings­pau­scha­le von 0,70 Euro. Ganz gleich ob das Medi­ka­ment 3 oder 300 Euro kos­tet. Für Groß­händ­ler ist es daher deut­lich lukra­ti­ver mehr Packun­gen eines güns­ti­ge­ren Medi­ka­men­tes zu ver­kau­fen als nur eini­ge weni­ge eines teu­re­ren; auch wenn der Gesamt­um­satz letzt­lich der glei­che wäre. 

Es ist Glück­sa­che, ob Sie den Han­dels­span­nen­aus­gleich umge­hen kön­nen

Ob Sie als Apo­the­ker einen opti­ma­len Medi­ka­men­ten­preis von 20,71 Euro erzie­len kön­nen, liegt nicht in Ihren Hän­den, son­dern in denen der ver­ord­nen­den Ärz­te. So haben Apo­the­ken, die in der Nähe von Kin­der­ärz­ten, Gynä­ko­lo­gen oder Zahn­ärz­ten lie­gen, meist gute Chan­cen die­sen Durch­schnitts­preis zu erzie­len, da hier oft nied­rig­prei­si­ge Medi­ka­men­te ver­schrie­ben wer­den. Apo­the­ken hin­ge­gen, die in der Nähe von Spe­zia­lis­ten lie­gen, zum Bei­spiel Onko­lo­gen, Ortho­pä­den usw., kom­men meist schnell über die­sen Durch­schnitts­preis. 

Ein Bei­spiel: Bei einem Monats­um­satz von 50.000 Euro RX ohne Hoch­prei­ser zu einem Durch­schnitts­preis von 24,03 Euro hat der Groß­händ­ler nur noch 5,82 % Mar­ge. Die­ser Umstand kos­tet dem Apo­the­ker 3.000 Euro Abzug! Beson­ders für klei­ne­re Apo­the­ken kann dies über das Über­le­ben ent­schei­den. 

Wenn ein Arzt also teu­re Medi­ka­men­te ver­schreibt, wird letzt­lich der Apo­the­ker dafür bestraft – indem ihm der Groß­händ­ler eben den Unter­schied zwi­schen sei­ner Wunsch­mar­ge und der tat­säch­li­chen Mar­ge durch den Han­dels­span­nen­aus­gleich vom Rabatt gleich wie­der abzieht. 

Vor allem hoch­prei­si­ge Medi­ka­men­te sehen Groß­händ­ler nicht ger­ne, da ihre Mar­ge bei 37,80 Euro gede­ckelt ist. Daher bekom­men Apo­the­ker ab einem Medi­ka­men­ten­preis von 1200 Euro nur noch eine Pau­schal­ra­bat­tie­rung von teil­wei­se 5 oder 10 Euro. Hin­zu kommt: Hoch­preis­me­di­ka­men­te sind vom Umtausch fast immer aus­ge­schlos­sen. Sie wer­den hier also dop­pelt ‚bestraft‘. 

Der Han­dels­span­nen­aus­gleich ist ein will­kür­li­ches Instru­ment der Groß­händ­ler, um sich ihren eige­nen Gewinn zu sichern und alle Risi­ken von schwin­den­den Mar­gen auf die Apo­the­ken abzu­wäl­zen. 

Kon­tak­tie­ren Sie mich und erfah­ren Sie wel­che Mög­lich­kei­ten Sie haben mit dem Han­dels­span­nen­aus­gleich umzu­ge­hen.